Melationship Podcast #02 – Einsamkeit

Herzlich Willkommen zu eine neuen Podcats-Episode, ich freue mich sehr, dass du heute wieder dabei bist und wir über ein sehr wichtiges Gefühl sprechen, was glaube ich mittlerweile normal, was wir alle kennen, aber wo man nicht immer so leicht eine Lösung findet, um daraus zu kommen. Denn es geht um „Einsamkeit“!

Ich starte direkt mal mit einem neuen Gedicht, dass ich geschrieben habe: zu einem Zeitpunkt, an dem ich mich sehr einsam und auf mich alleine gestellt gefühlt habe. Und dann will mit dir ein bisschen analysieren, woran das vielleicht gelegen haben könnte.

 

Na danke, wollte eigentlich nur tanzen;
endlich beenden die unnützen Romanzen.
Statt mich in anderen zu verlieren,
lernen mich selbst zu definieren.
Jetzt sitze ich hier allein’ zu Haus;
mache trotzdem nie das Smartphone aus
und warte, dass du online bist
und zugibst, wie du mich vermisst.
Ich lasse andere entscheiden
indem ich selbst das Risiko vermeide,
weil ich doch so unsicher bin
und wieder mal nicht weiß wohin.
Aber warum warte ich auf dich?
Es geht in meinem Leben doch um mich!
Und mein Verständnis von Glück allein,
muss von mir selbst geschrieben sein.

 

Also ich glaube man erkennt so ein bisschen, was zu dem Zeitpunkt los war. Ich habe einfach jemanden gewatet, kennengelernt, aber man konnte sich auf die Person nicht verlassen. Es war einfach etwas, was mir vielmehr ein schlechtes Gefühl gegeben hat, mit dieser Person zu schreiben und letztendlich auch Zeit zu verbringen, als dass es mir geholfen hat. Und gerade die sozialen Medien, wo man sich sooo leicht mit anderen vergleichen kann, wo man glückliche Paare sieht oder wo man auch mal checken kann, was die andere Person eigentlich gerade macht. Das trägt nicht wirklich dazu bei, dass man sich besser fühlt.

Ich bin auf dieses Thema Einsamkeit und Social Media schon öfter gestoßen, aber so einen richtigen Aha-Moment hatte ich vor zwei Wochen. Da war ich auf den Bildungsgipfel von Dorothee Bär eingeladen. Da war eine Professorin, die in der Neurologie arbeitet, und die hat Folgendes gesagt: „Die Einsamsten sind die 19- bis 25-Jährigen – obwohl das die Zeit ist, wo wir am sozialsten sind. Wir müssen unsere Kinder erziehen, sodass sie Verantwortung für die Welt, die globale Welt übernehmen, nicht nur für den Freund, die beste Freundin, die Mutter, sondern global Kooperationen fördern. Und das geht nur wenn wir soziale Kompetenzen fördern.“ Und das hat mich einfach so schockiert, dass gerade die Menschen in meinem Alter sich so einsam fühlen.

Einsamkeit ist nicht nur ein Gefühl, sondern es ist etwas, dass uns langfristig krank machen kann. Darüber habe ich noch mal mit unserem Gesundheitsminister gesprochen; mit Jens Spahn, der auch erkannt hat, dass das einfach ein Problem ist und dass wir dafür auch Lösungen und Hilfe bieten müssen: „Das ist ja das Verrückte, dass wir in einer Zeit, wo wir so vernetzt sind wir noch nie, auch Großeltern uns auch sehen, Eltern, Großeltern per WhatsApp mitverfolgen, auch wenn sie wo ganz anders sind, einfach mitverfolgen können, was mit den Enkelkindern ist und doch Einsamkeit aber ein immer größeres Thema wird. Es ist ja Länder, wieder Großbritannien jetzt, die haben ein Ministerium für oder gegen Einsamkeit neugegründet. Da denkt man erst ‚bisschen strange’, aber eigentlich ist das ein immer größer werdendes Thema für viele. Und ist tatsächlich verrückt, dass sozusagen umso mehr man sein Handy, eigentlich denkt man ist mit ganz vielen verbunden bei Instagram, Facebook, TikTok, was-weiß-ich-wo, gleichzeitig der persönliche Kontakt – und einsam ist man ja vor allem, wenn man das Gefühl hat, dass man keine Bindung hat und kein Gefühl für diese Bindung durch diese Bindung hat, im persönlichen Bereich, ganz analog also – dann ist das schon immer wieder eine ganz frappierende Erkenntnis. Also da stutz auch ich erst mal. Und dann ist die Frage: Was können wir da machen? Wir haben ja auch das heftige Phänomen ‚Mediensucht‘. Nicht jede:r der:die gerne bei Instagram ist, ist mediensüchtig. Aber wir haben immer mehr, die wirklich viele, viele Stunden am Tag nur noch vor ihren Geräten verbringen. Und das ist dann natürlich auch eine Form von Sucht. Wenn du nicht mehr ohne kannst, dann ist die Sucht halt da. Wenn du keine Woche, keinen Tag mehr ohne Alkohol kannst, ist das eine Sucht. Und wenn du auch keinen Tag mehr ohne dein Handy kannst, ist das auch irgendwie eine Sucht. Da geben wir auch mit unseren Präventionasngeboten, mit unserer Drogenbeauftragten, da geht es mittlerweile nicht mehr nur um die klassischen Drogen, sondern es geht auch um andere Süchte, die es gibt im Alltag: Spielsucht gibt es ja auch, ist ja auch manchmal auch ein bisschen ähnlich, es geht auch darum sich ein bisschen zu beschäftigen. Das versuchen wir eben auch zu adressieren und mit Kampagnen, auch bei Social Media – man muss sie ja auch da erreichen – entsprechend zum Thema zu machen. Deswegen finde ich auch die Frage super, weil die Community sich selbst auch immer mit der Frage beschäftigen muss, dass es jenseits von Social Media/digital Social auch ganz analog geben sollte. Ich hatte auch ganz lange Twitter auf meinem Handy, hab ein Profil und so und twitter natürlich auch. Aber ich mache das jetzt nicht mehr auf dem Handy selbst, weil ich selbst an mir gemerkt habe, wenn ich in dem Aufzug stehe, nach einer Veranstaltung, wenn ich im Auto sitze, schaue ich kurz bei Twitter und meistens haste schlechte Laune, weil es meist irgendeinen Shitstorm ist. Und dann habe ich irgendwann gesagt: ‚Ich lösche es einfach auf meinem Handy.‘ Seitdem geht es mir tatsächlich noch besser!“ Tatsächlich finde ich auch den Gedanken von einem Ministerium für Einsamkeit sehr spannen und kann mir vorstellen mit unserem einhergehenden demographischen Wandel und wirklich einfach dem voranschreiten von dem Social Media Konsum sowas vielleicht gar nicht so unnütz wäre.

Aber ich will auch noch auf ein paar anderen Ebenen das Thema diskutieren und besprechen und auch noch mal von der Sicht von jungen Leuten diese ganze Thematik beleuchten. Denn wir leben einfach in einer Zeit, wo Nähe und Intimität sich als Gut verändert. Durch gerade die ganzen Dating-Apps können wir ganz leicht Nähe und Zuneigung konsumieren, aber das kommerzialisiert es auch so ein bisschen und nimmt dem ganzen diese Echtheit. Dazu kann ich dir auch ein Buch empfehlen von Eva Illus, sie ist Soziologin und das Buch heißt „Warum Liebe endet“ und ist total spannend. Es beleuchtet auch, warum vor allem Frauen* durch Online-Dating-Apps leiden und die sind, die weniger davon profitieren. Und es zeigt wie auch dieser Markt kommerzialisiert. Wenn man auch etwas länger darübernachdenkt will natürlich ein Tinder oder Bumble dass wir die wahre liebe finden, sondern das wir ganz viel Zeit auf diesen Apps verbringen und im besten Fall viel Geld dort ausgeben, weil wir immer mehr hoffen jemanden zu finden. Und verbringen dann immer mehr zeit vor Bildschirmen, als rauszugehen. Da hat Eva Illu auch etwas gesagt, was ich ganz wichtig finde und worüber man auch noch mal nachdenken sollte: “Ein Like ist kein Lächeln, es ist keine herzliche Umarmung. Und die Unverbindlichkeit in den Sozialen Medien steht Bindungen im Weg.“ Ganz nach dem Motto: ‚Ich bin verabredet? Ich kann doch einfach absagen!‘ Und diese Unverbindlichkeit erschwert es uns, tiefe Beziehung zu führen, wodurch zwar unglaublich viele Follower theoretisch haben kann und gewinnen kann, sich aber trotzdem einsam fühlen kann.

Einsamkeit ist wirklich etwas, was als Krankheit gesehen wird, weil damit auch ganz viele andere Dinge korrelieren z. B. ist jemand der*die einsam ist auch eine Person, die sich häufig öfter ernährt oder jemand der*die viel gestresster ist – einfach, weg wir ganz viel Cortisol ausschütten. Außerdem korreliert Einsamkeit mit psychischen Krankheiten wie Depressionen oder Angstzuständen. Da würde mich auch mal deine Meinung interessieren, denn ich glaube, dass das auch viel damit zu tun hat, wie wir lernen mit sozialen Medien umzugehen.

Ich bin noch immer unglaublich dankbar für diese Onlinewelt, dass sie in mein Leben getreten ist, weil ich aus einem ganz kleinen Dort komme und mir das Internet eine ganz neue Welt eröffnet hat. Dazu gibt es auch ein paar Statistiken und Informationen die zeigen, dass Social Media unsere Charaktere, die wir schon haben, weiterträgt. Es gibt z. B. einen Punkt der sagt „rich get richer“. Also, wer schon viele Freunde hat und sich generell selten einsam fühlt, der profitiert von den neuen Medien, weil er*sie einen weiteren Kommunikationskanal hat. Es gibt aber auch die Social Kompensation, was auch unglaublich spannend ist. Da kenne ich auch die ein oder andere Person, bei der das total zutrifft, dass ist nämlich jemand der*die von Natur aus schüchtern ist und es sich schwer damit tut jemanden anzusprechen. Aber im Social Web oder im Social Media Bereich fällt es der Person leichter! Dadurch kann man auch Einsamkeit kompensieren. Ich glaube es ist wahrscheinlich auch die Mischung, wie wir soziale Medien nutzen, wie wir unser Verhalten reflektieren und da finde ich es immer ganz, ganz wichtig – und da kommen wir jetzt eigentlich auch zur Melationship – dass man immer wieder hinterfragt: Welche Accounts tun mir gut, um an der Beziehung zu mir zu arbeiten? Welche geben mir ein gutes Gefühlt? Und welche geben mir vielleicht ein schlechtes Gefühl? Da muss man immer wieder einen kleinen Reality Check betreiben und da darf man auch mal Accounts entflogen oder einfach mal offline sein, einfach mal 2-3 Tage nichts teilen oder auch nichts konsumieren. Stattdessen lieber mit engen Freunden Zeit verbringen, weil das so viel wertvoller ist – das würde ich jedenfalls aus meiner eigenen Erfahrung sagen.

Für mein Wohlbefinden und auch meine Liebe oder Beziehung zu mir, trägt es – wenn mir eine Person ins Gesicht, dass sie stolz auf mich ist, dass sie mich toll findet, dass sie meine Augen schön findet – viel mehr dazu bei, als wenn ich ein Like bekomme oder eine Nachricht. Natürlich weil auch die Beziehung zu dieser Person viel enger und verbindlicher ist. Und das ist ja auch das Schöne! Genau das sind die Beziehungen, die uns helfen, die uns antreiben, die uns motivieren und inspirieren aus uns selbst das beste zu machen und stolz auf uns zu sein und eben nicht immer kritisch mit sich zu sein. Das ist vielleicht etwas, was du von der heutigen Folge mitnehmen kannst: Einfach mal einer Person aus deinem engeren Umfeld ein ehrliches Kompliment machen, einfach mal wieder offen kommunizieren, was du an dieser Person schätzt und liebst. Weil das einfach so gut tut. Und es gibt auf der einen Seite der Person etwas, der du das Kompliment machst, aber es gibt auch dir ganz viel, wenn du über Gefühle sprichst und redest und trägt auf jeden Fall dazu bei, dass man sich weniger einsam und alleine fühlst.

Wenn du dich aber einsam und allein fühlst und wenn du das Gefühl hast, du bist da in einem Loch gefangen und kommst da alleine nicht mehr raus, weil das sind auch Nachrichten, die ich des öfters bekomme, dass man antriebslos ist, dass man keine Motivation hat, man sieht keinen Sinn, wofür man morgens aufstehen soll – dann such dir Hilfe! Darüber habe ich auch mit Jens Spahn gesprochen, gerade das Thema Therapieplätze: Da muss mehr passieren! Es muss mehr Therapieplätze geben, sodass Menschen, die wirklich Probleme haben wie z. B. Angstzustände oder Depressionen, dass diese Hilfe bekommen. Und ich hoffe wirklich, dass da schnell etwas getan werden kann. Ich würde mir da wünschen, dass wir die Chancen der Digitalisierung hier nutzen und die Vorteile, die es bringt: dass es leichter ist über Apps an bestimmten Dingen zu arbeiten, Probleme zu lösen und die Gesundheit von Menschen zu verbessern; und dass wir die Telemedizin auch mehr ausbauen können, sodass man leichter mehr Menschen helfen kann. Das ist auf jeden Fall etwas, was ich mir sehr wünschen würde und wo sich einiges tun sollte.

Ansonsten bedanke ich mich sehr fürs Lesen und freue mich immer über Feedback, also schreibe mir gerne eine Nachricht bei Instagram oder lass eine Bewertung da. Dann lesen wir uns das nächste Mal!

deine Diana 
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